Abschied von Pfarrer Wolfgang Buchholz

Erstellt am 30.06.2021

Nach 37 Jahren Tätigkeit in unserer Gemeinde ist Pfarrer Wolfgang Buchholz am 30.6. in den wohlverdienten Ruhestand gegangen.

Die offizielle Verabschiedung ist für den 18. September geplant.

Pfarrer Buchholz hat seine Gedanken zum Ende seiner Dienstzeit wie folgt zusammengefasst:

„Alles hat seine Zeit und jedes Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde.“

Dieser Vers aus dem Prediger Salomo hat in meiner Familie einen ganz besonderen Stellenwert. Bei markanten Wegmarken wie runden Geburtstagen oder Taufe und Heirat und anderen Ereignissen war
er gegenwärtig. So ist es naheliegend, auch diesen großen Einschnitt in meinem Leben und dem meiner Familie unter dieses Wort zu stellen.

Ich begann meinen Dienst hier in Wellinghofen im Jahr 1984 in einer Gemeinde, die gerade erst vereint war nach vielen Jahrzehnten getrennter Wege zweier evangelischer Kirchengemeinden an einem Ort. Ich empfinde es immer noch als ein Geschenk, aber auch als Verpflichtung, dass ich der erste von der vereinten Gemeinde gewählte Pfarrer war. Es waren aufregende Zeiten damals. Doch mit dem guten Willen vieler Beteiligter wurde immer mehr spürbar: Es wird, es ist eine Gemeinde.

In meiner Anfangszeit gab es aufgrund der damals wesentlich größeren Gemeindegliederanzahl viele Amtshandlungen. Bei Taufen, Trauungen und Bestattungen wurden mir im Laufe der Jahre immer mehr Menschen vertrauter. Gern erinnere ich mich an die vielen Konfirmandengruppen, die ich als junger Pastor mit viel Freude begleitet habe.

Um die Jahrtausendwende kam es zur Neubesetzung zweier Pfarrstellen. Sehr konstruktiv war, dass wir im Team die Chance ergriffen haben, gewisse Handlungsfelder nach eigenen besonderen Begabungen und Vorlieben unter uns aufzuteilen und so für die Gemeinde Schwerpunkte setzen zu können. Dieser „Teamgeist“ hat uns zwei Jahrzehnte wohltuend begleitet. Die gemeinsamen Konfirmandenfreizeiten des Pfarrkollegiums mit den Teamern aus der Jugendarbeit gehören für mich in die Kategorie „Besonders wertvoll“.

Natürlich blieben die pastoralen Aufgaben im Seelsorgebezirk wie die Gestaltung von Gottesdiensten bestehen. Ich war aber nun besonders zuständig für den Bibelkreis, thematische Seminare, Kirchenmusik und die Partnerschaft Leeds (1990–2012). Als nun älterer Kollege übernahm ich auch den Vorsitz des gemeindlichen Bau- und Finanzausschusses.

Alles hat seine Zeit. Zum Glück wandeln sich auch gottesdienstliche Formate. Nicht zuletzt bei den Schulgottesdiensten, in sehr kollegialer Kooperation mit unserer katholischen Nachbargemeinde Heilig Geist. Hier ein großer Dank für reichhaltige ökumenische Erfahrungen an alle Weggefährten. Zu meiner Bereicherung durfte ich im Laufe der Jahrzehnte zwei Vikarinnen und vier Vikare bei ihren ersten Schritten ins Pfarramt begleiten. Dabei hatte ich das Gefühl, dass ich hilfreich war und zugleich von diesen jungen Menschen herausgefordert wurde. Vielen Dank!

Ebenfalls herzlich danken möchte ich allen, die in unserer Gemeinde hauptberuflich tätig sind oder waren. Da habe ich sehr viel Kollegialität und harmonisches Gestalten unserer Gemeinde erlebt. Viel Freude haben mir außerdem die vielen gemeinsamen Aktionen mit ehrenamtlich tätigen Gemeindegliedern gemacht. Da denke ich z. B. an die Arbeitskreise „Offene Alte Kirche“ und „Nacht der offenen Kirche“.
Ganz besonders wichtig ist mir auch, den Presbyterinnen und Presbytern in allen Phasen der Weiterentwicklung der Gemeinde über Jahrzehnte hinweg meine große Anerkennung für ihre engagierte und kompetente Leitungsverantwortung auszusprechen.

Alles hat seine Zeit. Wenn ich nun auf 37 Jahre zurückblicke, bin ich dankbar, dass ich so viel gute, erfüllte Zeit in Gesprächen über „Gott und die Welt“ erlebt habe – in den Gemeindegruppen, im kleinen Kreis oder in Einzelgesprächen. All das bleibt Teil meines Lebens. Es sind die intensiven Begegnungen in Glück und Trauer, in Freude und Leid, an den Wegmarken des Lebens von Willkommen und Abschied, bei Taufe und Bestattung, bei Trauung und Konfirmation. Wer so lange in einer Gemeinde tätig ist wie ich, hat über die Jahrzehnte Familien in der ganzen Fülle des Lebens begleitet und so manche Konfirmierte später dann getraut und ihre Kinder getauft. Diese Verbundenheit ist aus meinem Leben nicht wegzudenken, auch wenn es für mich klar und geboten ist, dass nun andere meine pastoralen Aufgaben übernehmen werden.

Alles hat seine Zeit. So ist uns Zeit geschenkt, sie zu nutzen. Ich habe mich eingebracht mit dem, was ich bin und habe, mit der Überzeugung, dass sich Modernität, Denken und Wissen einerseits und tiefer Glaube an Gott nicht ausschließen, sondern sich ergänzen und eine Einheit bilden können. Es geht um mündiges Christsein des Einzelnen und zugleich darum, in der Gemeinschaft mit anderen als Gemeinde Gott zu loben. Dabei wusste ich immer sehr zu schätzen, dass wir zwei so besondere und schöne Kirchräume haben. So kommt in dieser Zeit des Abschieds schon Wehmut auf, vor allem wenn ich daran denke, wie oft diese Kirchräume von Musik erfüllt waren. Als Prediger und als langjähriges Mitglied unserer Kantorei denke ich an so viele Kantatengottesdienste und Konzerte zurück, insbesondere an die Matthäus- und Johannespassion von J.S.Bach.

Wenn ich nun von dem spreche, was ich in diese Gemeinde eingebracht habe, dann bin ich mir auch meiner Grenzen und meiner blinden Flecken bewusst. Danken möchte ich allen, dich mich getragen und manchmal auch ertragen haben und um Verzeihung bitten, wo ich Menschen enttäuscht oder verletzt habe.

Ich gestehe, dass es mir nicht leicht fällt, vom Pfarramt dieser Gemeinde Abschied zu nehmen, auch wenn ich in der Entpflichtung von Aufgaben auch Entlastendes erblicke. Hinzu kommt, dass wir durch die Corona-Pandemie Ostern und Weihnachten 2020 und an vielen anderen Sonntagen keine Präsenzgottesdienste feien durften und digitale Formen erprobt werden mussten. Wir alle leiden unter dieser Pandemie, sind in Sorge um uns und unsere Lieben. Ich muss es so an- und hinnehmen, dass die letzten Monate meines langen Dienstes so wenig lebendiges Miteinander ermöglichen, gerade in unseren schönen Kirchen. Denn der Predigt – und Verkündigungsdienst hat mich mit Freude und Dankbarkeit erfüllt, auch wenn die Suche nach den angemessenen Worten mitunter eine herausfordernde und schwere Aufgabe ist.

Ich habe ihn gern wahrgenommen in dieser Gemeinde und weiß Sie und mich, diese Gemeinde, die Kirche und die Schöpfung getragen von unserem Gott, der uns und unsere Zeit in seinen Händen hält."